Langer Tag der Flucht am 29. September 2017

Langer Tag der Flucht 2017Wir freuen uns, euch die diesjährige Veranstaltung zum "LANGEN TAG DER FLUCHT" am 29. September 2017 präsentieren zu können. Nach dem großen Erfolg im Vorjahr setzen wir unsere Veranstaltung "FEEL LIKE A REFUGEE" mit aktuellen Themen die junge Flüchtlinge betreffen fort. 

FEEL LIKE A REFUGEE 2017

Überlange Asylverfahren, Abschiebungen in unsichere Länder wie Afghanistan, Altersfeststellungen die die Würde junger Flüchtlinge verletzen und auf fraglichen Methoden beruhen und mangelnde Bildungsangebote: dies sind nur einige von vielen Situationen, denen junge Flüchtlinge in Österreich tagtäglich ausgesetzt sind.

"Feel like a refugee 2017" zeigt die harte Realität junger Flüchtlinge und bringt den Besuchern näher, mit welchen Situationen junge Flüchtlinge in Österreich konfrontiert sind. Dafür müssen die Besucher für die Dauer der Veranstaltung ihr gewohntes Leben verlassen und haben die Möglichkeit, unterschiedliche Begebenheiten „ansatzweise“ in ihrer Lightversion zu spüren.

„Feel like a refugee 2017“ ist für Jugendliche ab 15 Jahren konzipiert.
Alle Besucher erwartet ein kleines Buffet mit Speisen aus den Heimatländern der Flüchtlinge.

Datum: Freitag, 29. September 2017
Uhrzeit: 9.30 – 13.00 Uhr
Ort: SALE FÜR ALLE Hagenmüllergasse 31 / Eingang Dietrichgasse, 1030 Wien
Besuchsdauer: etwa 2 Stunden
Voranmeldung ist nicht notwendig!

Einführende Erklärung: Die Flucht
Dem Entschluss minderjähriger Kinder und Jugendlicher, die Heimat zu verlassen, liegen meist Verzweiflung, Not und Angst um das Leben, aber auch große Hoffnung auf ein gelingendes Leben zugrunde. Die Flucht nach Österreich dauert Wochen, Monate … und für manche sogar Jahre.  

Haben die jungen Menschen Österreich erreicht, werden sie mit einer restriktiven Asyl- und Flüchtlingspolitik konfrontiert. Diese basiert auf der Annahme, dass die meisten der Neuankömmlinge keine Flüchtlinge im Sinne der Genfer Konventionen (Zwischenstaatliche Abkommen des humanitären Völkerrechts mit Regeln für den Schutz von Personen, die nicht an Kampfhandlungen im Falle eines Krieges oder eines Konfliktes im Land teilnehmen) sind.

Nicht selten spricht die Österreichische Asylpolitik bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen von „Wirtschaftsflüchtlingen“, „Ankerkindern“ und vom Missbrauch des Sozialsystems. Der Kontakt mit dieser Asylpraxis ist für die jungen Flüchtlinge eine extrem belastende Situation. Denn der Ausgang des Asylverfahrens entscheidet über ihre Zukunft, ja über den gesamten weiteren Verlauf ihres Lebens.

Ablauf FEEL LIKE A REFUGEE 2017
FEEL LIKE A REFUGEE 2017 gibt einen Einblick in die harte Realität junger Flüchtlinge und bringt den Teilnehmer/innen näher, mit welchen Situationen junge Flüchtlinge in Österreich konfrontiert sind. Die Teilnehmer/innen verlassen für die Dauer der Veranstaltung ihr gewohntes Leben und haben die Möglichkeit, unterschiedliche Begebenheiten „ansatzweise“ in ihrer Leidversion zu spüren.

Dazu schlüpfen sie in das Leben eines jugendlichen Flüchtlings. Sie erhalten eine „vorübergehende“ Identität und Vergangenheit und beantragen in Österreich Asyl. Der Workshop führt sie durch die Stationen „Erstaufnahme“, „Altersfeststellung“, „Befragung/Interview beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl“ (BFA), „Sprachkurs“ und „Bekanntgabe des Bescheides“.

Die Atmosphäre des Workshops, sprich: das Gefühl der Enge, die Wartezeiten, das „als Nummer behandelt werden“, das Nichtglauben der Angaben, das Nichtverstehen der Sprache etc. bilden einen wesentlichen Bestandteil der Veranstaltung und sind durchaus beabsichtigt. Der Workshop wurde von Mitarbeiter/innen des Don Bosco Flüchtlingswerks gemeinsam mit jungen Flüchtlingen erarbeitet. 

Klärende Gespräche im Anschluss an den Workshop
Wir weisen darauf hin, dass die Veranstaltung auf jugendliche Besucher verunsichernd wirken kann. Bitte planen Sie im Anschluss an den Workshop Zeit für klärende Gespräche ein. Mitarbeiter/innen des Don Bosco Flüchtlingswerks nehmen sich Zeit und werden gerne alle Fragen beantworten. Ein kleines Buffet mit Getränken und Speisen aus der Heimat der jugendlichen Flüchtlinge steht zur Stärkung bereit.

Hintergrundinformationen zum Asylverfahren
Folgende Erklärungen des Ablaufs eines Asylverfahrens in Österreich sollen Teilnehmer/innen des Workshops und Interessierte vorab informieren, sensibilisieren und in Folge das Eintauchen in den Workshop bzw. in die Welt eines jungen Flüchtlings erleichtern.

Erstaufnahme in Österreich
In den Erstaufnahmezentren (Traiskirchen, Thalham) beginnt das Zulassungsverfahren zum Asylverfahren und die Flüchtlinge erhalten eine „Identitätskarte“. Die wichtigsten Themen im Interview der minderjährigen Flüchtlinge sind der Weg nach Europa und das Alter. Rund einem Drittel der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge traut die Asylbehörde nicht und gibt ein Altersgutachten in Auftrag.

Altersfeststellung
Bei der „kleinen“ Altersfeststellung soll mit der Röntgenuntersuchung der Handwurzel festgestellt werden, ob die Wachstumsfugen bereits geschlossen sind. Bleiben Zweifel, wird die „große“ Altersfeststellung angeordnet. Diese kann eine Computertomografie des Schlüsselbeins, die Erstellung eines Zahnstatus und eine Körperbeschau der Körperbehaarung und der Geschlechtsteile umfassen.

Wird der minderjährige Flüchtling als minderjährig eingestuft und zum Asylverfahren zugelassen, erfolgt die Verlegung in sozialpädagogische Einrichtungen wie dem Don Bosco Flüchtlingswerk, wo die Jugendlichen ein Zuhause auf Zeit finden und Betreuung erfahren.

Befragung/Interview beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA)
Im Interview beim BFA werden die Minderjährigen im Rahmen des Asylverfahrens genau und detailliert befragt. Die Minderjährigen werden vom dem/der Vertreter/in begleitet und dürfen zu den Interviews auch von einer Vertrauensperson begleitet werden. Diese dürfen aber nicht für die Jugendlichen sprechen. Ebenso ist ein/e Dolmetscher/in anwesend.

Die Interviewer/innen stellen detaillierte und in die Tiefe gehende Fragen, bspw. zu Familie, Schule und Dokumenten. Die wichtigste Entscheidung für den Asylantrag ist die Flucht. Warum bist du geflüchtet? Was ist passiert? Wie bist du geflüchtet? Warum kannst du nicht zurück? Auch viele Fragen, die schon bei anderen Interviews gestellt wurden, werden nochmals gestellt.  

Die Aussagen werden genauestens protokolliert, am Ende nochmals vorgelesen und jede Seite muss vom jungen Flüchtling unterschrieben werden. Das BFA und die Interviewer/innen arbeiten wie Detektive. Alles wird geprüft.

Das Warten auf die Entscheidung des BFA
Das Warten auf die Entscheidung, ob Asyl, subsidiärer Schutz oder ein negativer Bescheid erteilt wird, ist für die jungen Menschen extrem belastend. Denn der Bescheid entscheidet über den gesamten weiteren Verlauf des Lebens. Diese Zeit dauert viele Monate, oft sogar bis zu zwei Jahre.

Asyl bedeutet:

  • Aufenthaltsrecht für weitere drei Jahre in Österreich. Ist die Sicherheit im Heimatland nach 3 Jahren nicht gegeben, erhalten die Flüchtlinge ein unbefristetes Aufenthaltsrecht
  • das Recht, arbeiten zu dürfen
  • unter 18jährige dürfen ihre Eltern nach Österreich holen
  • einen Konventionspass zu erhalten und damit das Recht auf Reisen

Subsidiärer Schutz bedeutet:

  • ein gültiges Aufenthaltsrecht in Österreich für ein Jahr, das verlängert werden kann
  • das Recht, arbeiten zu dürfen
  • den „Fremdenpass“ zu erhalten und damit das Recht auf Reisen

Ein negativer Bescheid bedeutet

  • kein Aufenthaltsrecht in Österreich (mit dem Recht, innerhalb von 4 Wochen eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zu schreiben)

Während des Wartens auf den Bescheid werden die jungen Menschen auf ihre Zukunft vorbereitet. Dazu gehören der Unterricht der deutschen Sprache, das Kennenlernen der Kultur, Fertigkeiten für das tägliche Leben uvm.

Wichtige Zahlen und Fakten
Anträge Minderjähriger Flüchtlinge von Jänner 2017 - Ende Juli 2017:  1.074
Anträge Minderjähriger Flüchtlinge von Jänner 2016 - Ende Juli 2016:  3.213

Größte Gruppen von schutzsuchenden Minderjährigen nach Herkunftsländern:

  1. Afghanistan
  2. Pakistan
  3. Somalia
  4. Nigeria
  5. Syrien

Anerkennungsquote bei Asylanträgen in Österreich nach Herkunftsländern
Anerkennungsquote bei Asylanträgen in Österreich 2016: 47,7%
Anerkennungsquote bei Asylanträgen in Österreich 2017: 49,3% 

  1. Syrien 89%
  2. Somalia 46%
  3. Russland 34%
  4. Iran 30%
  5. Irak 29%
  6. Afghanistan 25%

Bei Asylanträgen aus Afghanistan, dem Land mit den meisten Asylanträgen in Österreich im Jahr 2016, lag die Anerkennungsquote bei 25 Prozent.

Asylgewährungen
Asylgewährungen in Österreich gesamt 2015: 14.413
Asylgewährungen in Österreich gesamt 2016: 22.307
Asylgewährungen in Österreich  bis Ende Juli 2017: 12.897

Download als PDF:  FEEL LIKE A REFUGEE 2017