
Am Anfang stand ein Zeitungsartikel über die Möglichkeit des Know-How Transfers zwischen sozialen und profitorientierten Unternehmen, der mein Interesse weckte und mich zum Projekt Brückenschlag www.brueckenschlag.org führte.
Als Managerin in einem Reiseversicherungs- und Assistanceunternehmen mit ursprünglich pädagogischer Ausbildung und einer vielfältigen Berufsbiographie gilt mein Interesse seit jeher der Erweiterung gewohnter Denk- und Handlungsmuster durch neue Impulse und Perspektiven, sodass ich die Möglichkeit eines einwöchigen Praktikums im Haus Abraham des Don Bosco Flüchtlingswerks mit Freude wahrnahm.
Mein Wissen über Flüchtlinge und die Arbeit mit Flüchtlingen war bis zum Beginn des Praktikums auf die in den Medien – nur allzu oft mit negativem Beigeschmack – transportierten Informationen beschränkt; mit der Arbeitsweise von Sozialorganisationen hatte ich mich bislang überhaupt nicht beschäftigt.
Viele Anforderungen an Arbeit und MitarbeiterInnen sind ähnlich oder gleich in sozialen und wirtschaftlichen Einrichtungen: Fachkenntnisse, Lösungsorientiertheit, Improvisationskunst, Umsicht, Kooperationsbereitschaft und Motivation sind immer gefragt und da wie dort unabdingbare Voraussetzungen für Erfolg.
Nur: Was ist Erfolg? Wie lässt sich erkennen, ob eine Organisation erfolgreiche Arbeit leistet?
Hier unterscheiden sich die Messkriterien doch entscheidend, zumal bei der Arbeit mit Flüchtlingen (von außen betrachtet scheinbar) minimale Fortschritte schon große Erfolge darstellen. Diese fügen sich Stück für Stück zu einem Weg zusammen, der jungen Menschen aus fremden Ländern die Integration in Österreich und den Aufbau eines neuen Lebens ermöglicht. Das lässt sich nur ganz beschränkt in Zahlen ausdrücken und schon gar nicht in Indikatoren wie Umsatz, Ertrag oder Produktivität – aber Erfolg hat eben viele Gesichter.
…. und dann kommt plötzlich an einem Vormittag ein ausgemergelter junger Mann ins Büro des Hauses Abraham – ein früherer Bewohner des Hauses, wie sich herausstellt -, und sagt er braucht dringend Arbeit, weil er kein Geld mehr hat. Auch für diese Art von spontaner Intervention ist das Haus Abraham da, und einige Stunden später geht der junge Mann wieder, mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln im Rucksack und etlichen Adressen für seine Arbeitssuche – und mit wieder etwas mehr Hoffnung für die nähere Zukunft.
Insgesamt war für mich in dieser Praktikumswoche im Haus Abraham der starke Wille der BetreuerInnen und vieler ehrenamtlicher HelferInnen spürbar, konkrete und ganz individuelle Hilfe für die einzelnen Flüchtlinge auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu leisten, trotz der immer wieder zu überwindenden rechtlichen behördlichen Schranken und der immensen wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Was als Weiterbildung meiner Managementfähigkeiten begann, entwickelte sich so innerhalb von wenigen Tagen zu einer umfassenden Bereicherung meiner Weltsicht.
Beim Team und besonders auch bei Margit Pollheimer bedanke ich mich sehr herzlich für die freundliche und unkomplizierte Aufnahme, sodass ich dem Haus Abraham gern auch weiterhin verbunden bleiben werde!
Ursula Vogler
Für weitere Informationen:
www.brueckenschlag.org